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Teilen Lesenswerte Regiearbeiten und Texte zur Dramaturgie
Neue Bücher von Koschmieder, Blank, Graf, Erler und Haneke

Annette Koschmieder: Stoffentwicklung in der Medienbranche. Von der Idee zum Markt. Berlin: Cornelsen-Verlag 2011.
Die Autorin legt ein aktuelles Kompendium der audiovisuellen Mediendramaturgie (Film, Fernsehen, Werbung und sogar Computerspiele) vor. Das Buch ist eine praxisorientierte Einführung zur Stoffentwicklung sowie in die Techniken und Erzählstrategien für Produkte auf den modernen Medienmärkten. Es enthält viele nützliche Hinweise auch zur Vermarktung und zur Rechtssituation.

Richard Blank: Drehbuch – Alles auf Anfang. Abschied von der klassischen Dramaturgie. Berlin: Alexander-Verlag 2011.
Das neue Buch von Richard Blank untersucht die Modelle und Schemata vor allem der us-amerikanischen Drehbuchtheorien und Manuale. Es ist eine dezidiert kritische Lesart. Darauf deuten bereits Titel und vor allem Untertitel. Trotzdem wird aber Aristoteles seine grundlegende Bedeutung für die geschlossene dramatische Form nicht völlig einbüßen.

Dominik Graf: Im Angesicht des Verbrechens. Fernseharbeit am Beispiel einer Serie, hrsg. von J. Sievert. Berlin: Alexander Verlag 2010.
Ein 200seitiges Gespräch mit dem Regisseur DOMINIK GRAF und weitere Interviews mit seinen engsten Mitarbeitern geben Einblicke in die komplexe Entstehungsgeschichte der außergewöhnlichen Krimiserie “Im Angesicht des Verbrechens”.
In zehn thematisch strukturierten Werkstattgesprächen erzählt Dominik Graf von seiner Arbeit und seinen Einflüssen, berichtet sehr konkret über handwerkliche Aspekte vom Drehbuch bis zur Postproduktion.
Entstanden ist ein Buch zur Serie, das weit über diese gerade von der ARD ausgestrahlte Serie hinausweist und interessante Schlaglichter auf Grafs Regiearbeit wirft, Oft sind das auch Erkundungen seines “deutschen Genretraums”, dem er gerade auch in den seriellen Formen seiner Fernseharbeiten nachspürt und Ausdruck verleiht.
Die DVD der Serie ist im Handel erhältlich.

Richard Blank: Film & Licht. Die Geschichte des Filmlichts ist die Geschichte des Films. Berlin: Alexander Verlag 2009/2011.
Anhand von paradigmatisch ausgewählten Filmbeispielen schildert und analysiert der Autor und Regisseur RICHARD BLANK die historische Entwicklung der Beleuchtungstechnik und –methoden. Er fasst die Regeln der Beleuchtung im Film zusammen, definiert Schlüsselbegriffe und beschreibt die wichtigsten technischen Neuerungen. Die analysierten Filmszenen werden auf einer beiliegenden DVD für den Leser bereitgestellt. Das Buch liegt in überarbeiteter Neuauflage nun auch in einer Paperback-Ausgabe vor.

Akademie der Künste (Hg.): Rainer Erler. Berlin: AdK Archiv-Blätter 2009.
RAINER ERLER faszinierte in den 1970er und 80er Jahren mit einzigartigen Politthrillern, Psychodramen und Science Fiction-Fernsehfilmen ein Millionen-Publikum. Das Buch enthält neben Werkwürdigungen ein langes Gespräch mit ihm sowie einen aktuellen Text, den er als dramaturgische und filmästhetische „Mutmaßungen und Ansichten“ betitelt. Er fasst darin seine Überlegungen zu einer medienspezifischen Fernsehästhetik sowie zu Dramaturgie als Vermittlungsform angewandter Psychologie zusammen.
Rainer Erlers Kult-Filme, darunter die Fernseh-Klassiker “Fleisch”, “Plutonium” und “Das schöne Ende dieser Welt”, sind jüngst in einer schönen DVD-Edition (einschließlich eines ausführlichen Booklets) bei EuroVideo erschienen.

Michael Haneke: Das weiße Band. Das Drehbuch zum Film. Berlin: Berlin-Verlag 2010.
In beinahe romanhafter Form ist das Drehbuch zu MICHAEL HANEKES außergewöhnlichem Film „Das weiße Band“ in 78 narrativen Bildbeschreibungen abgefasst. Die Auflösung teilt er in Storyboard-Beispielen mit. Sie erlauben einen subtilen Einblick in die sehr konkret werdende Arbeit des Regisseurs, wie er der Vorstellung, die er von dem aufzunehmenden Film hat, Gestalt gibt. Drehbuchschreiben ist bei Haneke konkrete Poesie, die Umsetzung der Regie-Vision poetische Konkretion.

Michael Haneke: Nahaufnahme. Gespräche mit Th. Assheuer. Berlin: Alexander-Verlag 2009/Neuausgabe 2012.
Der vielfach ausgezeichnete Regisseur im Gespräch über seine Kindheit, seine Filme, Theater- und Opernarbeit, über Musik, Religion, Erfolg, Kunst und Gesellschaft und natürlich über „Das weiße Band“. Außerdem enthält der Band zwei Essays von MICHAEL HANEKE über Robert Bresson und über sein zentrales Thema: Gewalt und Medien.

Dominik Graf: Schläft ein Lied in allen Dingen. Texte zum Film. Berlin: Alexander Verlag 2010.
Der Titel des Buches ist Joseph von Eichendorffs Gedicht „Wünschelrute“ entnommen. DOMINIK GRAF scheint in diesen Texten als Wünschelrutengänger zu agieren, der in teilweise wenig beachteten Werken der Filmgeschichte dem verdeckten Lied der sichtbaren Dinge, Menschen und Beziehungsverhältnisse nachspürt. Seine konzentrierten Auseinandersetzungen reichen von populären Fernsehserien und B-Movies über (natürlich) Murnau und Max Ophüls, über Rainer Werner Fassbinder, Robert Aldrich und Roberto Rossellini bis hin zu Jean-Luc Godard, Alain Tanner, Mike Figgis oder David Cronenberg.
JK

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