Stellungnahme des Bundesverbands Regie
Mit großer Sorge nimmt der Bundesverband Regie die Berichterstattung über eine mögliche Abberufung der Berlinale-Leiterin Tricia Tuttle zur Kenntnis.
Filmfestivals sind Plattformen für unser Arbeit. Unsere Filme sind unser Statement – sie spiegeln gesellschaftliche Realitäten, sie dürfen provozieren, widersprechen und unterschiedliche Perspektiven zeigen. Dies ist Voraussetzung einer offenen demokratischen Kultur.
Die Verantwortung einer Festivalleitung besteht darin, den Raum dafür zu schaffen und im Rahmen der geltenden Gesetze zu schützen. Es ist nicht ihre Aufgabe, jede künstlerische oder persönliche Äußerung der Filmschaffenden inhaltlich zu teilen, zu bewerten oder zu sanktionieren.
Die Berlinale hat seit dem Antritt von Tricia Tuttle eine neue Aufbruchsstimmung entfacht. Tuttle hat wiederholt betont, dass Festivals die Komplexität gesellschaftlicher Debatten aushalten und künstlerischen Ausdruck in all seinen Facetten ermöglichen sollten. Dem stimmen wir zu. Ein Festival dieser Größe und internationaler Bedeutung muss auch Konflikte aushalten, es ist eben kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck seiner Relevanz.
Eine Abberufung der Festivalleitung als Reaktion auf politische Auseinandersetzungen rund um einzelne Beiträge würde die Verantwortung in unzulässiger Weise verschieben. Festivalleitungen können und dürfen nicht für die inhaltlichen Positionen von Filmschaffenden haftbar gemacht werden.
Meinungsfreiheit und die Möglichkeit zu kontroversen Diskussionen gehören zu den Grundpfeilern einer offenen Gesellschaft. Gerade deshalb wäre eine Abberufung von Tricia Tuttle nichts weniger als ein alarmierendes Signal politischer Einschüchterung.
Wer die Leitung der Internationalen Filmfestspiele Berlin aus dem Amt drängen will, weil das Festival Kontroversen nicht unterdrückt, stellt die Prinzipien einer offenen Gesellschaft selbst infrage. Ein internationales Kulturereignis darf nicht zum Spielball moralischer Empörungswellen oder parteipolitischer Interessen werden. Eine Entlassung unter solchem Druck wäre ein gefährlicher Präzedenzfall – ein Eingriff in die Autonomie der Kunst, der deutlich machen würde, dass die Kunstfreiheit nur so lange gilt, wie sie nicht stört.
Der BVR solidarisiert sich mit Tricia Tuttle und den verantwortlichen Regisseurinnen und Regisseuren des Festivals. Wir fordern, die Berlinale als unabhängige kulturelle Institution zu schützen und personelle Entscheidungen nicht unter dem Druck politischer Kontroversen zu treffen.
Die Freiheit der Kunst und die Autonomie kultureller Institutionen sind Grundpfeiler unserer Arbeit – und unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung.
Der Vorstand