REGIETAG AM 26.6.2022 - DER BVR AUF DEM FILMFEST MÜNCHEN

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Ort
Literaturhaus München - Salvatorplatz 1, 80333 München
Workshops & Information & Diskussion

REGIETAG AM 26.6.2022

DER BVR AUF DEM FILMFEST MÜNCHEN

 

DIE PROGRAMM-INHALTE

Unsere Spielregel: Wir wollen bei allen Themen weniger eine Paneldiskussion machen, sondern nach jeweils einem Initiativvortrag mit den anwesenden Fachpersonen in ein offenes Gespräch einsteigen.

 

12:30 Uhr       WORKSHOP NO. 1
EX UND HOPP – altgestellt, kaltgestellt – macht sich eine Branche dumm?

THEMA: Altersdiskriminierung vs. Nachwuchsblockade?

Fakt ist, dass Regie – zunehmend schon mit Anfang 50 – in der Gefahrenzone arbeitet, trotz nachweisbarer Erfolge, aufs Abstellgleis geschoben zu werden. Andererseits werden jüngeren Menschen in der Regie Arbeitsbedingungen vorgegeben, die teilweise unzumutbar sind. Regie führen unter dem Mantra „Vogel friss oder stirb“?

Leistet es sich die Branche wirklich, ihren „Personalumsatz“ neo-liberal heiß laufen zu lassen – oder ist das eine Projektion? Werden dem „Nachwuchs“ in der Regie zu oft Bedingungen diktiert, die unerträglich sind und er damit zur Manövriermasse wird? Und was hat das miteinander zu tun?

Wir reden über Erfahrung als Manko, Knowhow als Malus und die Frage, ob Sender und Produzenten Verantwortung für langjährig, bei hohem persönlichen Risiko, im Gewerk Arbeitende empfinden. Und darüber, ob Gagenreduktion und Steuerbarkeit neues Hauptkriterium für eine Entscheidung sind, „jüngere“ Regie zu besetzen und damit die Generationen in existenzielle Konkurrenz zueinander gesetzt werden.

Und können Sender, Verleiher, Produzenten es sich leisten, dieses Gefälle noch steiler werden zu lassen? Wollen sie das überhaupt? Wir reden also über das Set als Frischezone und über alte FüchsInnen vs. junge Dachse. Und warum der – vermutete wie reale und oft erzwungene – Jugendwahn sogar manchen Produzenten graue Haare bescheren kann.

Diskussionsleitung: Rolf Silber

 

13:15 Uhr       WORKSHOP NO. 2

WER SCHMEISST HIER DIE SHOW – kreative Möglichkeiten der Regie

THEMA: Künstlerische Freiheit.

Es wird so viel gedreht wie nie zuvor; überall poppen Streaming Anbieter auf. Die Geschichten werden vielfältiger und mutiger. Immer deutlicher steht das traditionelle lineare Fernsehen mit seinem standardisierten Programm einer breiten Masse mutiger und visuell experimenteller Filmästhetiken gegenüber. Mutige Stoffe werden auch im deutschen TV gesucht, doch meistens kommt es nicht zur Umsetzung. Wird das öffentlich-rechtliche Fernsehen abgehängt?

Mit einer sich verändernden Medienlandschaft setzen sich auch vermehrt neue internationale Drehstrukturen durch. Die Regie hat stets um Anerkennung, Eigendefinition und finanzielle Absicherung gekämpft. Was ändert sich im ureigensten Feld der „mise en scène“, der „Inszenierung“ durch ein Show-Runner-System? Wo liegen die Chancen? Wo sind die Grenzen?

Wir reden darüber, ob Regie in der Gefahr steht, zum Lieferanten für vorbestellte Softwarehäppchen zu werden. Warum „Shooter“ wie Filmkünstler Teil des Berufsbildes sein können, selbstständige Arbeit aber – auf unterschiedliche Weise – für beide wesentlich ist. Darüber, ob nach der Musikredaktion demnächst auch die Redaktionen für Maskenbild, Ausstattung, Schnitt, Catering, Quotenkompatibilität und achtsames Atmen eingerichtet werden.

Diskussionsleitung: Bettina Schoeller-Bouju

 

14:00 Uhr       WORKSHOP NO. 3

FÖRDERER UNTER DER ZIRKUSKUPPEL – RATLOS? Oder geht was?

„Jede Menge Kohle“ hieß ein Film von Adolf Winkelmann und wir fragen uns heute, was den deutschen Film und Kohle angeht: Zu viel? Zu wenig? Falsche Verteilung? Oder gar ganz falscher Brennstoff? Reformieren wir uns zu Tode? Ist ein neues FFG nur überfällig oder ist es eher komplett fällig? Und kann die Krise, nach der Pandemie, auch eine Chance sein?

Seit Jahren wird wehgeklagt und angesagt, was nun zu tun sei oder was unbedingt zu lassen und der Chor der (über-) fordernden Förderer wird immer lauter und ungeordneter. Wo soll die Reise hingehen? Kommerzieller werden? Künstlerischer werden? Nur das Kino im Blick haben oder auch die Streamer? Mehr Kleinvieh oder mehr Großtierjagd? An Vorhandenem herumfrickeln oder tabula rasa machen? Gremiendämmerung oder Herbst der Intendanten?

Die „Krise des Kinos“ ist eine andauernde, als solche fast schon ein Klischee und die Lösungen waren stets von Kompromissen geprägt. Es wäre Zeit darüber nachzudenken, wie man Bund und Länder, Kunst und Kommerz, dazu bringen könnte, sich anders aufzustellen. Sind die „Frankfurter Positionen“ der Weg aus der Krise und wären sie von „der Branche“ insgesamt zu akzeptieren? Und warum fördern wir Konzerne, die hierzulande kaum Steuern zahlen wollen? Wie kann man die Verhältnisse im Förderdschungel auch, und gerade im Verhältnis zu den Landesfilmförderungen, neu ordnen?

Diskussionsleitung: Cornelia Grünberg

 

15:00 Uhr       WORKSHOP NO. 4

REGIE-RECHTE – und die linke Hand des Teufels

Verträge, Urheberrecht, Arbeitsrecht. Was ist neu? Was kommt? Von der neuen GVR Kino bis zum neuen Recht zur Feststellung der Selbständigkeit (DRVBund).

Sind die Verträge noch verhandelbar oder ist nichts mehr zu machen?

Corona, Kurzarbeitsvergütung, Arbeitslosengeld: Die neue Lust auf die Anstellung – trotzdem künstlerische Freiheit?

Dos and Don‘ts bei Vertragsklauseln und Vergütung.

Tour d’horizon durch die Gemeinsamen Vergütungsregeln des BVR.

Workshop mit Dr. Florian Prugger

 

15:45 Uhr       WORKSHOP NO. 5

LOTS OF COPIES – FEW RIGHTS – MORE MONEY?

Das neue Urheberrecht und seine Auswirkungen

Der neue § 32 a UrhG

Das neue Auskunftsrecht (§§ 32c und 32 d UrhG) – Wie machen Regisseure ihre Auskunftsrechte geltend? Gegen wen? Wie geht das?

Ansprüche gegen Plattformen auf Vergütung: Das neue Europäische Recht und seine Umsetzung – Fluch oder Segen? – Wie weit ist die Umsetzung in der Praxis und was springt dabei für die Regie raus?

Altwerke und die unbekannte Nutzungsart: Wie werden Werke aus der Zeit vor dem Jahr 2000 für die Nutzung in Mediatheken vergütet?

Kabelweitersendung, TV Angebote der Internet-Provider etc.: Endlich ein technologieneutraler Vergütungsanspruch über die VG Bild Kunst.

Special: Streamer (Vom Wunderkind zum Bettelknaben in drei einfachen Schritten).

Warum die RegisseurInnen ihre Vergütung bei den Streamern selbst verhandeln müssen und nicht von anderen und warum das wichtig ist.

Workshop mit Jobst Oetzmann & Dr. Florian Prugger

 

Ort: Literaturhaus, Salvatorplatz 1, 80333 München

Zeit: 12:30 – 16:30 Uhr

Einlass: 12:00 Uhr

 

Anmeldung: info@regieverband.de